LEE-PM zum Stellenabbau bei ENERCON

Magdeburg, 13.11.2019 Aufgrund des dramatischen Einbruchs des deutschen Onshore-Windenergiemarktes sieht sich der Windenergieanlagenhersteller ENERCON gezwungen, die Zusammenarbeit mit mehreren Produktionspartnern im Inland zu beenden.

Am stärksten betroffen ist dabei die Fertigung von Rotorblättern, aber auch andere Komponenten werden künftig in erheblich geringerer Stückzahl gefertigt. ENERCON hat für die kooperierenden Blattwerke in Aurich und Magdeburg keine Aufträge mehr. Alleine am Standort Magdeburg verlieren dadurch 1.500 Menschen ihren Job.

“Die aktuelle Energie- und Klimapolitik gefährdet ein wesentliches Standbein für Beschäftigung und Wertschöpfung in Sachsen-Anhalt“, erklärt LEE-Präsidentin Julia Brandt. „Die Branchenverbände hatten seit Monaten vergeblich vor dieser Entwicklung gewarnt. Dennoch führte ein Windgipfel bei Bundeswirtschaftsminister Altmaier lediglich zu einigen Absichtserklärungen.“

„Statt durch immer neue Hindernisse den Windausbau noch mehr zu verzögern, müssen die Bundes- und Landesregierung nun endlich handeln und die Energiewende wieder in Schwung bringen – ansonsten droht Sachsen-Anhalt nach dem Verlust der Solarindustrie die Abwanderung eines weiteren zukunftsweisenden Industriezweigs“, so LEE-Präsidentin Julia Brandt. „Wenn Sachsen-Anhalt an einer kostengünstigen, zuverlässigen und CO2-freien Energieversorgung interessiert ist und weiteren Kahlschlag in der Windindustrie verhindern will, muss es die Pläne aus dem Bund stark nachbessern und ihre eigenen Ziele im Rahmen eines fortzuschreibenden Klima- und Energiekonzeptes endlich konkretisieren. Um der Windbranche in Sachsen-Anhalt wieder eine Zukunft zu geben, sollten 2% der Landesfläche verbindlich für die Windenergienutzung festgeschrieben werden. “, so Brandt weiter.


 

Hintergrund:

Der rapide Verlust an Arbeitsplätzen in den Zukunftsbranchen der Erneuerbaren Energien setzt sich fort. ENERCON ist bisher größter Industrieller Arbeitgeber in Sachsen-Anhalt, doch alleine in den vergangenen beiden Jahren hat die Windbranche mehr Arbeitsplätze verloren als in der Braunkohle bundesweit bestehen.

Hauptursache ist der extreme Einbruch des deutschen Heimatmarktes, wo ENERCON über viele Jahre Marktführer war und dem Umstieg auf eine erneuerbare Energieversorgung maßgeblich mitprägte. Allein seit 2017 hat sich das Marktvolumen in Deutschland um nahezu 90 % reduziert. Dadurch konnte das Unternehmen in den ersten zehn Monaten des Jahres 2019 lediglich 65 Windenergieanlagen installieren. 2017 waren es noch 711 Anlagen gewesen.

Auch in Sachsen-Anhalt brach der Markt dramatisch um 90% ein: wurden in 2016 herstellerübergreifend noch insgesamt 323 MW zugebaut, waren es 2017 nur noch 227 MW und im Jahr 2018 lediglich 33 MW. Für das erste Halbjahr 2019 lag der Zubau bei 43 MW – zu wenig um die Herstellungskapazitäten ausreichend auszulasten.

Neben den Gründen auf Bundesebene trägt auch die Landesregierung Sachsen-Anhalts eine Verantwortung für den eingebrochenen Markt im Lande. Julia Brandt weiter: „Um Klimaziele zu erreichen und gleichzeitig Planungssicherheit für die Branche herzustellen, brauchen wir eine verbindliche 2%-Regelung auf Landesebene. Um diesen Prozess gut bearbeiten zu können, müssen die regionalen Planungsgemeinschaften gestärkt werden. Weiterhin fordern wir eine Anlaufstelle für Wind und Bürgerenergie, die die Bevölkerung von den Chancen der Windenergie überzeugt und die durch eine aktive Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger regionale Wertschöpfung und Akzeptanz sicherstellt. Gerade in den vom Strukturwandel betroffenen Regionen sollten über energierechtliche und organisatorische Sonderregelungen Hemmnisse, die dem Ausbau der Erneuerbaren Energien entgegen stehen, überwunden werden.“ Ursächlich für den Kollaps waren weiterhin, dass eine interministerielle Arbeitsgruppe, die Vorschläge zum Repowering von Anlagen außerhalb von Windvorranggebieten erarbeiten sollte, kläglich scheiterte. Der Artenschutzleitfaden Windenergie führte dazu, dass 17% der genehmigten Windvorranggebiete zukünftig nicht bebaut oder vorhandene Anlagen nicht repowert werden dürfen. Und das aktuelle Klima- und Energiekonzept des Landes Sachsen-Anhalt blieb weit hinter den Ansprüchen der Pariser Klimabeschlüsse zurück.


 

Pressekontakt:

Landesverband Erneuerbare Energie Sachsen-Anhalt e.V.

Geschäftsstellenleiter Jörg Dahlke

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Tel. 0391-557 600 21