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< Ver­bio will wei­ter wach­sen
14.02.2017 Ka­te­go­rie: Sach­sen-An­halt

DIW weist Weg zum ost­deut­schen Braun­koh­le-Aus­s­tieg

Ber­lin – Die Stro­m­er­zeu­gung aus der Braun­koh­le steht auf Dau­er dem Kli­ma­schutz in Deut­sch­land ent­ge­gen. Un­ter den deut­schen Kli­ma­schutz­zie­len bis 2030 wer­den da­her kei­ne neu­en Braun­koh­le­ta­ge­baue be­nö­t­igt, wie das DIW nun fest­s­tellt. Hand­lungs­be­darf be­steht da­ge­gen bei der Fi­nan­zie­rung des Koh­le­aus­s­tiegs.

Das Deut­sche In­sti­tut für Wirt­schafts­for­schung (DIW) kommt in ei­ner ak­tu­el­len Stu­die zu dem Schluss, dass die Braun­koh­le­men­gen in den be­reits ge­neh­mig­ten ost- und mit­tel­deut­schen Ta­ge­bau­en für die Stro­m­er­zeu­gung un­ter den Kli­ma­schutz­zie­len für 2030 aus­rei­chen. Viel­mehr sol­le der Braun­koh­le­aus­s­tieg früh­zei­tig und so­zial­ver­träg­lich ge­plant wer­den.

Kem­fert: Kei­ne neu­en Ta­ge­bau­er­wei­te­run­gen
Nach Ein­schät­zung des DIW muss sich Deut­sch­land Schritt für Schritt von der Braun­koh­le­ver­stro­mung, der CO2-in­ten­sivs­ten Art der Strom­pro­duk­ti­on, ver­ab­schie­den. Ei­ne Stu­die von DIW-En­er­gie­ex­per­ten zeigt, dass die Braun­koh­le­men­gen in den be­reits ge­neh­mig­ten ost- und mit­tel­deut­schen Ta­ge­bau­en aus­rei­chen, um ei­ne Stro­m­er­zeu­gung zu er­mög­li­chen, die mit Deut­sch­lands Kli­ma­zie­len bis zum Jahr 2030 in Ein­klang steht.

„Die Auf­ga­be der Po­li­tik, und ins­be­son­de­re des Lan­des Bran­den­burg, ist es, früh­zei­tig, al­so am bes­ten schon jetzt, ei­nen Plan für ei­nen so­zial­ver­träg­li­chen Koh­le­aus­s­tieg zu er­ar­bei­ten“, so DIW-En­er­gie­ö­ko­no­min Clau­dia Kem­fert. „Dort soll­te un­ter an­de­rem fest­ge­schrie­ben wer­den, dass man wir­k­lich kei­ne neu­en Ta­ge­bau­er­wei­te­run­gen er­sch­ließt.“

Rück­stel­lun­gen für Re­kul­ti­vie­rung – Un­si­cher­hei­ten nach Be­t­rei­ber­wech­sel

Die DIW-Markt­for­scher ha­ben sich noch mit ei­nem wei­te­ren Aspekt des Ta­ge­baus be­schäf­tigt. Es geht um die von den Be­t­rei­ber­un­ter­neh­men ge­bil­de­ten Rück­stel­lun­gen, mit de­nen die Re­kul­ti­vie­rung der Ta­ge­baue, al­so die Wie­der­her­stel­lung der na­tür­li­chen Le­bens­räu­me, fi­nan­ziert wer­den sol­len. Die ge­nau­en Kos­ten die­ser künf­ti­gen Re­kul­ti­vie­rung sind un­si­cher. Si­mu­la­tio­nen zei­gen laut DIW, dass die der­zei­ti­gen Rück­stel­lun­gen für die Lau­sitz (1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro) un­ter opti­mis­ti­schen An­nah­men aus­rei­chen könn­ten. Un­ter we­ni­ger opti­mis­ti­schen An­nah­men, bei­spiels­wei­se im Fall von Preis­s­tei­ge­run­gen auf­grund re­gu­la­to­ri­scher An­for­de­run­gen, wä­ren die zu­rück­ge­s­tell­ten Mit­tel aber zu knapp be­mes­sen.

Ne­ben der Höhe der Rück­stel­lun­gen wirft das DIW auch die Fra­gen nach de­ren „In­sol­venz­fes­tig­keit“ auf. Aus­lö­ser ist der Be­t­rei­ber­wech­sel für die Lau­sit­zer Braun­koh­le, die nun im Ei­gen­tum der tsche­chi­schen Fir­ma EPH so­wie ei­nes In­ve­s­tors mit Sitz auf Jer­sey ist. „Es ist wich­tig, dass un­ab­hän­gig er­mit­telt wird, wie hoch die Rück­stel­lun­gen sein müss­ten“, so Kem­fert. „Um si­cher­zu­s­tel­len, dass das Geld zu Ver­fü­gung steht, wenn es be­nö­t­igt wird, sind meh­re­re Op­tio­nen denk­bar, von ei­ner re­gel­mä­ß­i­gen Über­prü­fung der Rück­stel­lun­gen über ein Nach­haf­tungs­ge­setz bis hin zu ei­ner Fonds­lö­sung.“

Rück­stel­lun­gen sind kei­ne Rückla­gen
Im Kern geht es dar­um, ob den ge­buch­ten Rück­stel­lun­gen auch die ent­sp­re­chen­den As­sets in der Bi­lanz ge­gen­über­ste­hen. Das The­ma der Rück­stel­lun­gen war be­reits bei der Dis­kus­si­on im Zu­sam­men­hang mit der Fi­nan­zie­rung des Ato­m­aus­s­tie­ges ein zen­tra­ler Punkt. Als po­li­ti­sche Lö­sung wur­de dort ei­ne Fonds­lö­sung ge­wählt, bei der die Atom­kon­zer­ne die Ver­ant­wor­tung für die Zwi­schen- und End­la­ge­rung des Atom­mülls an den Staat über­tra­gen und da­für über 23 Mrd. Eu­ro in die­sen Fonds ein­zah­len.

In der Atom-Dis­kus­si­on wur­de teil­wei­se ir­re­füh­r­end über die bei den Be­t­rei­bern ge­buch­ten Rück­stel­lun­gen de­bat­tiert. Denn bei Rück­stel­lun­gen han­delt es sich um vor­ab ge­buch­te Schul­den, die spä­ter be­di­ent wer­den müs­sen. Das Geld da­für muss da­bei erst noch er­wirt­schaf­tet wer­den. In der Po­li­tik, den Me­di­en und in vie­len Dis­kus­sio­nen wur­den die­se Rück­stel­lun­gen (Schul­den) oft mit Rückla­gen (Ei­gen­ka­pi­tal) ver­wech­selt. Ein ähn­li­ches Durch­ein­an­der droht nun im Be­reich des Braun­koh­le-Ta­ge­baus.

Qu­el­le: IWR On­li­ne